INTERVIEW: Alexander Blažek: Zwischen Regulierung und Verantwortung - Wie private Eigentümer die Wärmewende erleben
Wie wirken sich gesetzliche Vorgaben, Förderlogiken und Infrastrukturentscheidungen konkret auf private Investitionen im Gebäudebestand aus? Alexander Blažek ordnet ein, warum Verunsicherung zum Investitionshemmnis werden kann – und welche Rahmenbedingungen jetzt entscheidend sind.
1. Herr Blažek, Sie vertreten mit Haus & Grund die Interessen vieler privater Eigentümer:innen.
Was bewegt Ihre Mitglieder aktuell am meisten beim Thema Wärmewende – und was wird aus Ihrer Sicht häufig übersehen?
Die privaten Grundeigentümer sind durch die Diskussion über das Heizungsgesetz nach wie vor sehr verunsichert. Das ist eine große Herausforderung, weil Eigentümer, die verunsichert sind, nicht oder sogar falsch investieren.
2. In der Debatte um den Gasnetzausstieg ist viel von zentralen Lösungen wie Fernwärme oder Wärmepumpen die Rede.
Welche Herausforderungen und Chancen sehen Sie speziell für Einzeleigentümer:innen und kleinere Wohneinheiten?
Fernwärme ist eine sehr gute Alternative zur Gasversorgung. Problem ist der Preis und dass der Eigentümer einem Monopolanbieter gegenübersteht. Eine effektive Preisregulierung wäre die Lösung. Wärmepumpen sind die aktuelle Alternative zur Beheizung, wenn es keinen Fernwärmeanschluss gibt. Hier ist eine (Energie-) Beratung erforderlich, ob diese wirtschaftlich betrieben werden kann.
3. Die Investitionskosten für klimaneutrale Wärmeversorgung sind hoch – sowohl für Versorger als auch für Eigentümer.
Welche politischen und finanziellen Rahmenbedingungen braucht es aus Ihrer Sicht, damit diese Transformation auch im privaten Bestand gelingt?
Eigentümer sollten sowieso Rücklagen bilden, um ihre Immobilien instand zuhalten. Fenster, Dach und Heizungsanlage müssen erneuert werden, wenn das Bauteil nicht mehr in Ordnung ist. Bei der Heizungsanlage läuft es bei der Heizungserneuerung auf die Wärmepumpe hinaus, wenn kein Anschluss an die Nah- oder Fernwärme möglich ist. Erforderlich ist in erster Linie eine professionelle, unabhängige und individuelle Beratung der privaten Eigentümer. Hier ist Schleswig-Holstein mit dem Förderprogramm Energieberatung bei Haus & Grund optimal aufgestellt.
4. Haus & Grund bietet inzwischen flächendeckend Energieberatungen an. Welche Rolle spielen niedrigschwellige Informations- und Beratungsangebote bei der Umsetzung der Wärmewende?
Wichtig ist die hohe Förderung durch das Land. Private Eigentümer sind erfahrungsgemäß nicht bereit, für eine Beratung viel Geld auszugeben. Das Förderprogramm zeigt den richtigen Weg auf, um eine niederschwellige Beratung anbieten zu können.
5. Sie plädieren für eine technologieoffene Herangehensweise.
Was bedeutet das konkret – und wo sehen Sie aktuell eine zu starke Fixierung auf bestimmte Lösungen?
Die Klimaneutralität in Schleswig-Holstein ist bis 2040 noch ein langer Weg. Wir wissen jetzt natürlich noch nicht, welche Innovationen uns bis dahin helfen werden, die Energiewende im Wohngebäudesektor zu schaffen. Daher sollten wir durch Regulatorik keine Zukunftstechnologie ausschließen.
6. Viele Ihrer Mitglieder sorgen sich um die langfristige Planbarkeit ihrer Investitionen.
Wie bewerten Sie den Umgang mit Fristen, Förderbedingungen und gesetzlichen Vorgaben im Zuge der bisherigen Klimapolitik?
Eine Immobilie wird über einen Zeitraum von 50 Jahren steuerlich abgeschrieben. Das ist der Anlagehorizont privater Eigentümer. Die Förderung muss sich danach ausrichten und nicht nach den Legislaturperioden der Gesetzgebungsorgane.
7. In der Fishbowl-Diskussion auf der CONBAU Nord 2025 trafen sehr unterschiedliche Perspektiven aufeinander.
Gab es Punkte aus dem Austausch, die Sie besonders weitergebracht oder zum Nachdenken gebracht haben?
Ich denke, das Ziel der Klimaneutralität eint alle Akteure im echten Norden. Beim Weg besteht keine hundertprozentige Einigkeit. Die Frage ist, ob wir mit Ordnungsrecht den richtigen Kurs finden oder in Eigenverantwortung. Bürokratie ist in der Regel ein Hemmschuh für Investitionen. Gleichzeitig macht es keinen Sinn mehr, in fossile Energieträger zu investieren, auch wenn es (noch) erlaubt ist. Gute Beratung ist der Schlüssel zum Erfolg für den richtigen Kurs.
8. Warum lohnt sich aus Ihrer Sicht die CONBAU Nord – gerade für private Eigentümer:innen und kommunale Entscheider:innen?
Teilnehmer bekommen bei der CONBAU den aktuellen Stand der Technik und Wissenschaft, verständlich präsentiert. Wie dargestellt, ist es wichtig, sich gut zu informieren, um keine Fehlinvestition zu tätigen. Darum zahlt sich der Besuch aus – im wahrsten Wortsinne.
CONBAU Nord 2026